Es ist Jänner. Ihr wisst, was das bedeutet: Alle Hobbyautor*innen haben sich vorgenommen, dieses Jahr endlich ihr Buch (fertig) zu schreiben. Doch wo anfangen? Wo findet man scheffelweise Tipps,
die einem weiterhelfen? Oh, stimmt … überall!
Wenn du regelmäßig schreibst, als Autor:in, Blogger:in oder auch als Anfänger:in, hast du sicher so langsam alle Schreibtipps durch. Frühmorgens schreiben, mehr lesen, „show, don't tell“. Wenn du
trotzdem immer noch auf ein leeres Dokument starrst, warum versuchst du nicht mal was Unorthodoxes? Hier sind zehn Tipps, die du in einer ruhigen, leicht verzweifelten Minute selbst ausprobieren
kannst.
1. Schreib das Ende zuerst. Wenn du genau weißt, do du hinwillst, findest du leicht heraus, was vorher passieren muss. Indem du die letzte
Szene zuerst schreibst, im Detail, mit Dialogen und Setting und allem Drum und Dran, arbeitest du praktisch rückwärts vom Ergebnis weg, sog. Reverse Engineering für die Technikfreaks unter
uns.
2. Mediumwechsel. Wenn du immer auf die gleiche Weise schreibst und stecken bleibst, ändere deine Routine ein wenig. Du schreibst auf dem Computer und kommst nicht weiter?
Schreib ein paar Seiten per Hand. Steh auf, lustwandle durchs Haus und diktiere dir die nächsten Handlungsschritte in dein Handy.
3. Comic Sans. Hear me out: Comic Sans ist eine der am leichtesten lesbaren Schriftarten. Das macht dir das Schreiben schon von Anfang an leichter. Noch dazu sieht diese
Schriftart, na ja... nicht so aus, als könnte man sie ernst nehmen. Und genau das schafft eine gewisse Distanz zu deinem Text, während du ihn schreibst, was den Druck, ein Meisterwerk zu
produzieren, erst mal rausnimmt. Wenn du nicht darauf versessen bist, jeden Satz zu perfektionieren, schreibst du freier und schneller!
4. Schreib mit Zeitlimit. Und am besten mit einem ungeraden Zeitlimit. 47:36 oder 16:11. Warum? Weil du wahrscheinlich sehr gut abschätzen kannst, wie lang 15 Minuten oder eine
halbe Stunde sind. Bei solchen bekannten Zeitrahmen sagt dein auf Energiesparen getrimmtes Gehirn: „Oh, eh nur noch ein paar Minuten, da strengen wir uns jetzt nicht mehr an.“ Wenn du keine
Ahnung hast, wann der Timer losgeht, ist dein Gehirn hingegen die ganze Zeit auf Trab. Also setze dir einen Timer, den du nicht so leicht abschätzen kannst. Das Wichtigste dabei: Nur schreiben.
Nicht löschen, nicht überarbeiten, nur Wörter auf Papier. Überarbeitet wird später. Quatsch kann man verbessern, leere Seiten nicht.
5. Schreib im Stehen. Oder irgendeiner anderen Position außer in deinem üblichen Sessel. Marcel Proust zum Beispiel schrieb ausschließlich im Bett. Nicht nur, um die Routine zu
ändern, im Stehen pumpt dein Körper mehr Blut zu deinem Kopf als im Sitzen. Du kannst auch diktieren, während du auf und ab gehst. Die körperliche Aktivität weckt dich auf.
6. Geh mal wieder raus. Geh irgendwohin, wo du normalerweise nicht hingehst. Brich komplett aus der Routine aus und lass dein Hirn ein paar neue Eindrücke sammeln. Zum Beispiel
kannst du in eine neue Galerie gehen und dir dabei Notizen über alles machen, was dir auffällt oder Dialoge, die du hörst.
7. Rubber Ducky Debugging. Ich sehe schon, wie einige an dieser Stelle zum Telefon greifen, um mich einweisen zu lassen. Dabei ist das gar nicht meine Idee. Rubber Ducky
Debugging kommt aus, einige werden es erraten, dem Programmierbereich. Indem Programmierer*innen einem Quietscheentchen (oder einem anderen Gegenstand; warum genau hatten sie ein Quietscheentchen
in der IT-Zentrale?) ihren Code laut erklären, fallen ihnen mehr Fehler auf. Genau das kannst du auch mit deinem Plot tun. Was ist eine Handlung schließlich anderes als ein Code für eine
Geschichte? Also schnapp dir einen Gegenstand und erklär diesem diese eine Szene, bei der es immer noch hakt.
8. Eine Seite abschreiben – von jemand anderem. Okay, das ist wohl der seltsamste Tipp dieser Liste. Such dir ein Buch deines Lieblingsautors oder -autorin und schreib eine Seite
daraus per Hand ab. (Leg das Handy weg, ich bin nicht verrückt.) Per Hand abzuschreiben lässt dich genauer sehen, wie dieser Autor Action und Ruhe, kürzere oder längere Sätze im Text abwechselt,
welches Vokabular verwendet wird, auch die Struktur des Texts bleibt dir durch die haptische Komponente besser im Gedächtnis. Überlege, was du am Stil dieses Autors oder dieser Autorin besonders
magst und ob du es in deinen eigenen Texten umsetzen könntest, in deiner eignen Stimme.
9. Schreib ein Gedicht. Wenn deine Geschichte keine klare Richtung aufweist, fass deine Geschichte in einem Gedicht zusammen. Nur ein kurzes, ein Limerick, nicht mehr. So siehst
du, wo die Essenz liegt, das wichtigste Thema.
10. Schreib eine Szene aus einer anderen Perspektive. Das funktioniert besonders bei Szenen, wo du so gar nicht weiterkommst: Wechsle den Charakter. Schreib alles noch einmal aus
der Perspektive eines anderen Charakters. Wie erlebt ein Nebencharakter die Szene? So entdeckst du viele neue Details: Welche neuen Infos tun sich auf, welche werden zurückgehalten, wie ändert
sich der Ton, was ist die Motivation dieses Charakters? Wenn du gar nicht weiterkommst: Schreib die Szene aus Sicht eines Charakters, den man nie wieder sieht. Die Straßenkatze, die gerade
vorbeikam; der UPS-Fahrer; das Dienstmädchen, das an der Tür lauscht. Du musst die Szene letztendlich nicht so verwenden, aber die frische Perspektive wird dir zeigen, wie es weitergeht.
Das waren zehn Tipps, ein Versuch lohnt sich! Welchen wirst du zuerst ausprobieren? Schreib es mir gern in die Kommentare und besuch mich auf Facebook oder Instagram!

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